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Sonntag Morgen / in der grossen Stadt

Reklame / Abend

Winterlandschaft / Koeln

(sometimes)

(> *irgendwas ist ja immer*)

Ziehe ja jeden Tag an diesem Geschäft vorbei. Das vor kurzem noch *Die Diele* hiess, *125 Jahre Ihr Spezialist für Flurschäden*. Inzwischen ist allerdings *DaDas* da drin, *24 Stunden Schnellgegrilltes*. Da geht doch noch was: *DODO*, *das Fachgeschäft für ausgestopfte ausgestorbene Tierarten*? *dudu*, *Sprachschule für Frühbegabte unter 3 Jahren*? Ich bin gespannt.

Graue Wintertage. Montag. Gleich wieder im Zug, unterwegs zur *Firma*. Schreibe im Moment an einem Song mit dem Titel *Ich wollte aber doch nie Proletariat sein* (basierend auf dem Gassenhauer *früher konnte ich Inschenör nich' mal schreiben*).

*Bevor auf Island eine Straße gebaut wird, muss ein staatlicher Elfernbeauftragter herausfinden, ob da auch keine Elfen wohnen. Sonst wird die Straße drumherum gebaut, sagte Raphael. Ich wusste nicht, ob er zu Matilda sprach oder zu mir, die wir seit mit der Angst lebten, von Ausländern auf das Elfenthema angesprochen zu werden. In diesem Sinn waren Elfen für Isländer das, was für die Deutschen die Nazis waren. Mit dem Unterschied das in Deutschland kaum Menschen gab, die behaupteten, Horden androgyner SA-Männer schwebten in ihrem Garten herum und bäten bei bestimmten häuslichen Verrichtungen Hilfe an. Auch fand es im Ausland niemand besonders niedlich, wenn man behauptete, die Felsenwohnungen unsichtbarer Sturmbannführer würden Bauprojekte verhindern. Wenn man als Isländer nicht auf Elfen angesprochen wurde, dann auf Björk, wobei Björk in den Augen der Welt längst als Elfe galt.* (die beste Passage aus K. Magnussons *Zuhause*)

Gerade eben das hervorragende Buch von John Markoff weg gelegt. In dem erzählt wird, wie das amerikanische Militär die Visionäre gesponsort hat, die bis heute Computer in fast jeden Haushalt gebracht haben. Und das es da jede Menge Beziehungen zu verschiedenen Formen von *counter culture* gab. Ich kann mich an einen Artikel aus der Wired über Ted Nelson erinnern (als wired noch für Visionen stand), in dem die Entstehung der Idee von hypertext ua. über die Worte file und filiade beschrieben wird (filiade, anscheinend ein Fachbegriff aus der frz. Militärwissenschaft; aber auch der Effekt der beim fahren durch mit Bäumen bestandene Alleen entsteht: das Licht, die Zwischenräume).
Warum wohl das Säurebad für Browser, das bisher nur von Safari erfolgreich durchlaufen wurde, ausgerechnet acid2 test heißt?

Bruch

Hier. Und heute habe ich Zeit für *Die Braut haut ins Auge*.

( > cartoonbrew )

Eisspendender *Roboter* in Fischland-Darss-Zingst in der Nähe von Graal-Müritz und Ribnitz-Dammgarten (diese Namen!), Herbstnachmittag.

(oder so)

oder: mehr als nur eine Strandschönheit, hm?

Abend, Käuzchenrufe im Küstenwald.
Und direkt um die Ecke die Osterinseln.
Geruch nach Herbstfeuern.

Frühmorgens zornige alte Omas mit Designerbrillen, weder des Laufens noch der klaren Aussprache mächtig, noch Minuten später höre ich ihr erregtes 'gla gla gla' wegen dem verbotenen Gebrauch der verwaisten und gutgeteerten Deichwege zum Radfahren.
Die Fahrradfahrer sollen sich hier nämlich im unwegsamen Wald kreuz und quer zuschanden fahren.
Überall Verbotschilder aufs Trottoir gepinselt, die Reha-Alten und alle 3 Meter n Papierkorb. Ist das hier die Küstenschweiz oder was.

Kuestenwaldnazis

Trailerpark.
Graal-Müritz hat bereits seit 1921 Strom (!).

Borg: zwei Häuser, ein umgekippter Anhänger. Assimilation ist hier zwecklos.

Slow motion in Zingst. Ein ellenlanger Bretterzaun, beklebt mit www.küstenpanorama.de. Abends aufs Meer, Kraniche kucken.

An der Seebrücke in der Mittagssonne, ein fetter Hippie wiegt sich in der Sonne, Posaune, Akkordeon, spielt ostdeutsche Seeweisen auf; *the shadow of your smile* auch.

Man empfiehlt hier Nordic Walking, das sieht aber so elend stupide aus, und antizipiert nur die späteren Gehhilfen, Rohrstöcke, Rollstühle. Nee danke.

Der Geruch des Waldes. Komme am Pilzmuseum an, nur Präparate da (believe it or not), fader Nekrolog; und ein eingesperrtes Eichhörnchen. Setze mich da in den Garten. Bockwurst vom Wildschein. Mehr ist nicht. Reicht ja auch.

DDR Trailerpark Graal-Müritz, Ostsee. Ausserhalb der *Saison*.

Parkbank am See...

Seit Freitag krankgeschrieben, wünschte ich, ich könne noch einmal auf dieser Parkbank in der Mitte Rejkjaviks an diesem See sitzen, es wäre der Vorabend des 17. Juni, im Hintergrund isländische Polizeisirenen (iceland (mp3, 55 KB)), die sich so gar nicht nach Europa, viel mehr nach New York anhören, und am anderen Ufer in dem klassizistischen Pavillon probte diese Big-Band bei offenen Fenstern...

Grosses Kino am Abend (Das Cabinett des Dr. Caligari), morgens, auf dem Weg zur Arbeit, Trinkhallen, Trinkhallen, Trinkhallen...

Fernsehen I. War gestern wieder weit draussen in dem was ich Medienbrachland nenne, also beim Kunden, und wie beim letzten Mal sah ich erst abends die Bilder von den Anschlägen in London. Es ist schon erschreckend, das in dieser Firma während der Arbeitszeit keinerlei Informationen von aussen eindringen. Totale Fokussierung auf die Kunden. Und das, wo direkt nebenan Meinungen vom Fliessband produziert werden. Würde die nahe Grossstadt von einer Atombombe getroffen, wäre das für die Mitarbeiter da nur eine unterhaltsame show in den 5 Minuten Bildschirmunterbrechung.

Fernsehen II. Ich sass gestern abend also in der Nähe des kaum hörbaren Fernsehers (in meinem Stammcafe) über Ente und Salat, da waren sie wieder, die Bilder: Absperrseile, verloren umherwandernde Bobbys, Tony Blair. Danach schwamm der Kopf von diesem Horst Köhler im Aquarium, der Hintergrund ziemlich blaustichig, das sah für eine Weile so aus wie: *Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, liebe Arbeitslose. Aus aktuellem traurigem Anlass haben wir uns heute entschieden, ab sofort auf die Regierungsform der Demokratie zu verzichten...* - aber wie gesagt, ich konnte kaum etwas verstehen.

Morgens, am Bahnhof. Zwei mit leicht irrem Blick schieben sich durch die volle Bahn. Der eine zum anderen: "Der Apparat muss frei bleiben." - "Wer sagt das?" - "Egal, der Apparat muss freibleiben!!!"

Mittags, in den Arbeiterbezirken der Nachbarstadt. Ein älterer Muselmane steigt in den Bus, seine Frau sieht aus wie eine Statistin in einem Kusturicafilm. Er zieht ein Quartheft mit losen Blättern heraus und beginnt lautlos murmelnd ganz konzentriert zu lesen. Schweigen.
Koran? Nein, Kontoauszüge (als ich genauer hinsehe).

Morgens, ein kleiner Bahnhof in der Provinz. Zwei abgerissen aussehende Gestalten, Jeans, Jacketts aus dem Fundus der Caritas, harte, verlebte Gesichter. "Wir haben ja Arbeit," der eine zum anderen, "wir haben ja Arbeit!" "Ja, wir sind unkündbar!"

Fragile pflanzliche und andere Formen zum Selbererzeugen (sieht ganz gut aus). > boingboing.

Oder Blüten, wie ich sie täglich auf dem Weg zur Arbeit finden könnte.

Die Islandimpressionen Teil zwei lassen auf sich warten. Sitze morgens wieder in der S-Bahn und schreibe, na, ein wenig, oder lese, oder döse. Überhaupt, pendeln! Versuche unregelmässig die Routen und Züge zu wechseln, das hält wach.

In der Zwischenzeit hat allerdings grapefruitmoon gute Islandfotos eingestellt, hier, hier, hier, hier, hier und hier. Und hier. Das wars, erstmal.